Obstbaumschnitt

 

Eine gute Kronenpflege sieht der Laie auf den ersten Blick nicht! (links geschnitten / rechts ungeschnitten)

Der Obstbaumschnitt bildet einen Schwerpunkt unserer Arbeit. Wir pflegen Obstbäume in Privatgärten, aber auch in großem Umfang auf Streuobstwiesen mit teilweise sehr altem Baumbestand.

Wir schneiden die Bäume nach dem Oeschbergprinzip. Grundlage dafür ist die "naturgemäße Kronenpflege am Obsthochstamm" von Hans-Thomas Bosch vom Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee. Erwerben kann man diese Lektüre u.a. hier:

 

https://buchzentrum-natur.eshop.t-online.de/Kronenpflege-alter-Obsthochstaemme

 

Obstbäume sind besondere Bäume. Sie sind seit Jahrhunderten auf wohlschmeckende, große Früchte und hohen Ertrag selektiert worden. Als Kulturpflanzen entwickeln sie sich nicht in jedem Fall von selbst zu stabilen Bäumen, die jahrzehntelang vital bleiben und dazu reiche Ernten erbringen.

Obstbäume brauchen einen regelmäßigen Schnitt, am besten von Anfang an.

Egal ob das kleine Bäumchen im Hausgarten, oder der große Hochstamm auf der Streuobstwiese, jeder Obstbaum sollte ein stabiles Grundgerüst erhalten, das seiner Baumart und seinem Standort entspricht und das er im Idealfall sein ganzes Baumleben lang behalten kann.

 

Gerade bei Obstbäumen ist die Erziehung, also die Formung dieses Grundgerüstes durch Schnittmaßnahmen von großer Bedeutung. Man kann sie bei jungen Bäumen oftmals mit einigen gezielten Schnitten mit der Schere in ein wenigen Minuten durchführen. Später, wenn der Baum größer ist, sind Fehlentwicklungen schwerer zu korrigieren und mit deutlich höherem Aufwand verbunden. Erziehungsschnitte in den ersten Jahren nach der Pflanzung führen besser zu einem zukunftsfähigen Aufbau des Obstbaumes, zu früheren und besseren Erträgen und sparen später viel Arbeit. Das Ziel ist Vitalität und Langlebigkeit, ein natürlicher Habitus und formschöne Bäume mit regelmäßigem Ertrag.

 

Wichtige Weichen werden allerdings schon vor der Pflanzung gestellt: Die endgültige Höhe und Breite wird wesentlich von der Wurzel bestimmt, auf die der Obstbaum veredelt ist. Oftmals kämpfen Baumbesitzer jahrelang gegen das „übermäßige“ Wachstum an, dabei liegt der Fehler schon am falschen Baum für den Standort. Dabei gibt es Bäume für fast jeden Standort, von der nur zwei Meter hohen schmalen Spindel die in jeden kleinen Garten passt, bis zum Hochstamm, der über 20 m groß werden kann und einen weiträumigen Standort braucht. Wir unterstützen Sie gerne bei der Auswahl des richtigen Baumes, bei der Pflanzung und bei der Erziehung in den ersten Jahren.

 

Ohne Schnitt, oder nach länger nicht erfolgtem Schnitt neigen Obstbäume dazu, oben und außen immer stärker zu wachsen und dort auch die Früchte zu bringen, während das Bauminnere immer mehr verkahlt. Durch starken Fruchtbewuchs, gerade bei Äpfeln, biegen sich die Äste immer mehr nach unten und überlagern sich. Es kann sogar zu Ausbrüchen kommen, weil der Ast das Gewicht nicht mehr tragen kann, mit möglichen negativen Folgen für die Vitalität des ganzen Baumes.

Durch geeignete Schnittmaßnahmen, u.a. gezieltem Auslichten, einer Konzentration auf das bleibende Grundgerüst und Rücknahme von Überlagerungen kann auch ein lange nicht geschnittener Obstbaum wieder vital und langlebig, besser belichtet, leichter zugänglich für die Ernte und formschöner werden.

Ideal ist für jeden Obstbaum ein regelmäßiger Schnitt, je nach Obst- und Baumsorte jährlich oder auch in längeren Intervallen. Durch den regelmäßigen Schnitt wird die Stärke des Eingriffs reduziert, der Schnitt stärkerer Äste – der häufig zu Pilzbefall oder sonstige Faulungen führt kann dann vermieden werden. Die Behebung größere Fehlentwicklungen kann auf mehrere Jahre verteilt werden. Der Zeitaufwand pro Schnittmaßnahme sinkt bei regelmäßigem Schnitt deutlich und Sie können sich kontinuierlich über einen schönen, gesunden Baum und qualitatives Obst freuen.

 

Wenn Ihr Obstbaum sehr wüchsig ist und / oder länger nicht geschnitten wurde, empfiehlt sich auch ein Sommerschnitt, dieser führt dazu, dass der Baum nicht so heftig mit massivem Neuaustrieb auf das Schneiden reagiert und mehr zur Ruhe kommt. Auch Obstsorten wie Kirschen (Juni/Juli) , sowie Walnussbäume (August/September) vertragen einen Sommerschnitt besser als den Schnitt in der Winterruhe.

 

Daraus folgt: Sommerschnitt für junge bzw. sehr vitale Bäume. Winterschnitt für Bäume, die schon Vitalitätseinbußen haben. Jeder Baum hat also seinen eigenen Schnittzeitpunkt, den man gut an der Vitalität ausmachen kann (Ausnahme Kirsche und Walnuß). Einziger Arbeitstechnischer Vorteil des Winterschnittes ist, dass man die Leitaststruktur besser sieht, weil ja keine Blätter dran sind.

Schneidet man einen vitalen Baum im Winter, so hat er dadurch, dass er im Herbst über den Rückzug der Nährstoffe beim Blattabwurf 100% Energie daraus einlagern konnte, im Frühjahr aber nur noch ca. 80% der Äste hat, einen Engerieüberschuß. Dann treibt er aus "allen Poren", weil die Kraft ja irgendwo hin muß. Diese "Wasserreißer" muß man dann wieder mit extra Arbeitsaufwand entfernen.

 

Bei unseren Schnittmaßnahmen achten wir auch auf Bewuchs mit Misteln. Diese sind bei kleiner Größe noch kein Problem für den Baum, breiten sich aber immer mehr aus, nehmen dem Baum Wasser, Nährstoffe und Licht und können auch erhebliches zusätzliches Gewicht in den Baum bringen. Im schlimmsten Fall kann ein übermäßiger Mistelbefall auch zum Bruch oder Absterben eines Baumes führen. Da Misteln durch Vögel auch auf Bäume in der Nachbarschaft weiterverbreitet werden, sollten sie grundsätzlich fachgerecht entfernt werden. Übrigens: Misteln sind keineswegs selten und stehen auch nicht unter Schutz!

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